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Name: Tanja Sannwald
Titel der Arbeit: „Dreckschatz“
Hochschule:
Bauhaus-Universität Weimar
Jahr: 2008
Betreuender Professor: Prof. Jay Rutherford, Alexander Branczyk
eMail: tanjasannwald@gmail.com
Website: http:// www.tanjasannwald.de

Wer bist du und was machst du gerade?

Ich heiße Tanja, bin 28 und lebe in Berlin, wo ich  freiberuflich als Grafikdesignerin arbeite.

Um was geht es in deiner Arbeit?

Meine Arbeit dreht sich darum, wie es möglich sein kann, Waren zu produzieren, ohne dabei auch zwangsläufig Müll zu produzieren. Die Zeitung Dreckschatz erzählt von unseren heutigen Warenkreisläufen und zeigt einen ganz anderen Weg auf: Von der Wiege zur Wiege, statt von der Wiege zum Grab – Im Grunde Mehrweg statt Einweg, nur ohne den bisherigen Qualitätsverlust.

Dabei werden Produkte künftig so konzipiert, dass sie am Ende nicht zu einem Entsorgungsproblem werden. Leitbild ist die Natur, wo es auch keinen Abfall gibt, bzw. nur solchen Abfall, der anderen Lebewesen wiederum als Nahrung dient und somit weiterverwertet wird.

Diese Ansätze stecken alle in der Cradle to Cradle-Philosophie von Michael Braungart, die mich zu dieser Arbeit inspiriert hat.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Das Material der Zeitung ist kein gewöhnliches Papier sondern ein „wiederabwaschbares“, synthetisches Papier: Es handelt sich um Plastik – wenn man so will – die Druckerfarbe ist wieder vom Papier zu trennen, das Papier ohne Qualitätsverlust wiederverwertbar. Genauso die Farbe.

Es ist ein Material, das der besagten Cradle to Cradle-Philosophie entspricht und sich am besten für schnelllebige Druckprodukte, wie Flyer oder Zeitungen, eignet. Zeitungen dieses Materials könnten beispielsweise ähnlich dem Pfandsystem wieder eingesammelt und ohne Qualitätsverlust erneut zu einer neuen Zeitung verarbeitet werden.

Warum hast du dich gerade mit diesem Thema beschäftigt und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Ich habe einen Vortrag von Herrn Braungart besucht und dieser hat mich sehr beeindruckt. Auch provoziert. Jedenfalls fand ich seine Philosophie so logisch und verblüffend zugleich, dass ich gerne mehr erfahren wollte. Das ging von kompostierbaren Textilien bis zu Fabriken, deren Abwasser sauberer war, als das, das eben dort hinein floss.

Was mich als Grafiker natürlich am meisten gereizt hat, war dieses Papier.

Mit meiner Zeitung wollte ich bewusst auf diese Thematik aufmerksam machen und dieser Produktphilosophie eine weitere Kommunikationsmöglichkeit sein.

Welchen Stellenwert hat aus deiner Sicht ein Designer? Welchen Bezug zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung siehst du dabei?

Designer können insofern einen hohen Stellenwert bezüglich sozialer Verantwortung einnehmen, als dass sie sich im besten Fall aussuchen können, welche Themen und Belange sie für unterstützenswert halten. Im Berufsalltag sieht das leider meist anders aus, aber bei der Wahl des Diplomthemas hat man ja freie Auswahl. Ich sah Dreckschatz als eine Art Feldversuch. Der Druck war eine Herausforderung für die Uni-interne Druckwerkstatt. Es kann nur im Offsetverfahren bedruckt werden, in Laserdruckern würde es schmelzen.

Das Papier weckte überall Neugierde, die Leute versuchten es zu zerreissen, rochen daran usw. – dennoch hat es so ein neues Material schwer.

Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich wieder auf einem synthetischen Papier drucken würde. Hier merke ich schon an mir selbst, dass es neue Materialien/Techniken/Themen, seien sie auch noch so umweltfreundlich, schwer haben sich zu etablieren, weil wir eben doch Gewohnheitstiere sind. Aber wir Gestalter können nachhelfen …

Wie geht’s weiter? Gibt es schon neue Projekte?

Ich hoffe weiterhin auf viele interessante Projekte, die sich gerne auch wieder um Umweltbelange u. Ä. drehen dürfen…

Also ich bin auch gespannt darauf, dieses Papier mal in den Händen zuhalten und daran zu schnuppern. Es ist sicher noch ein langer und harter Weg, bis sich die Materialien und Ideen, um die es in Dreckschatz geht, durchsetzen. Trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach dafür zu kämpfen! Sehr schöne Arbeit – schön sie hier mit im Blog zu haben!

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