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Name: Susanne Haag
Titel der Arbeit: „Funkenflug – ein Aktionskalender“
Hochschule:
FH Mainz
Jahr: 2007
Betreuender Professor: Prof. Dr. Isabel Naegele
eMail: susehaag@aol.com

Wer bist du und was machst du gerade?

Ich bin eine fröhliche, gesellige und soziale Designerin. Mir liegt am Herzen, meine Arbeit nicht gedankenlos zu machen, sondern die Möglichkeit zu nutzen, Informationen so aufzubereiten, dass sie gerne und leicht aufgenommen werden. Ich mag keine erhobenen Zeigefinger. Lieber sind mir kleine und unverbindliche Anregungen, mit denen man selbst etwas machen kann. Nichts überstülpen, sondern anstoßen also.

Um was geht es in deiner Arbeit?

Der Aktionskalender richtet sich an Jugendliche und möchte dazu anregen, sozial und gesellschaftlich aktiv zu werden und eine eigene Haltung zu entwickeln. Jede Woche wird eine Aktion vorgestellt, die sich auf die Region Mainz bezieht. Die Aktionen zeigen spielerisch, dass soziales Engagement wesentlich früher beginnt, als man oft vermutet. Der Spaß und das inspiriert werden steht hierbei im Vordergrund.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Der Kalender soll nicht statisch oder „fertig“ wirken. Der Benutzer soll ihn sich vielmehr zu eigen machen und ihn so gestalten, wie er oder sie möchte. Ich habe verstärkt mit Perforationen gearbeitet, die dazu einladen, etwas herauszutrennen und in die Tasche zu stecken. Außerdem sind Collagen aus Fotos und Zeichnungen eingearbeitet, die vom Benutzer weiter geführt und gestaltet werden können. Es soll ein Medium sein, mit dem man auf Entdeckungsreise geht. Ein Fundus aus Anregungen, Tipps, Adressen usw.

Warum hast du dich gerade mit diesem Thema beschäftigt und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Wir hetzen so oft durchs Leben, ohne einen Blick nach rechts oder links zu riskieren. Immer mehr werden wir getrieben vom unterschwelligen Streß und der Hektik, trotz der vielen Arbeit und der Verpflichtungen nicht genug zu schaffen. Durch die dauerhafte Anspannung verliert man schnell den Blick dafür, was um einen herum passiert. Welchen Menschen begegnen wir, wie intensiv setzen wir uns mit ihnen auseinander? Haben wir ein zufriedenes und erfülltes Leben? Tun wir uns und unserer Umwelt gut?

Ich wollte ein Medium schaffen, das den Blick erweitert für die kleinen Dinge des Alltags. Wie oft kann man mit Leichtigkeit etwas Gutes tun, ohne sich dafür anstrengen zu müssen – und sich damit auch selbst weiter bringen!

Welchen Stellenwert hat aus deiner Sicht ein Designer? Welchen Bezug zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung siehst du dabei?

Ich denke, dass man als Designer mehr Kraft und Reichweite hat, als man denkt. Schließlich besteht unsere Arbeit auch darin, Informationen zu strukturieren und so aufzubereiten, dass sie vom Betrachter aufgenommen werden. Wenn wir uns verstärkt mit sozialen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen und durch unsere Gestaltung dazu beitragen, dass sie „sympathisch“ daher kommen und Interesse wecken, haben wir schon eine Menge gewonnen. Außerdem sind Themen wie Wiederverwertbarkeit oder Umweltfreundlichkeit von Materialien und Produktionstechniken im Vormarsch. Durch bewusste Gestaltung lässt sich die Belastung für die Umwelt stark reduzieren, ohne dabei auf ästhetische Medien verzichten zu müssen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit / soziale Verantwortung in deinem Leben?

Eine sehr große. Bei der Arbeit versuche ich immer, ökologische Aspekte in meine Gestaltung einfließen zu lassen (z. B. bei der Wahl von Veredelungen oder Produktionstechniken). Privat vermeide ich sinnlose Energieverschwendung, benutze fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel, versuche, Wasser und Strom nicht zu verschwenden und unnötigen Müll zu vermeiden. Außerdem finde ich regionale Lebensmittel klasse und unterstütze kleine Läden in meiner Stadt.

Wie geht’s weiter? Gibt es schon neue Projekte?

Ich versuche gerade, einen Verlag zu finden, der meinen Funkenflug produzieren würde. Das Konzept lässt sich ganz leicht auf andere Städte und Regionen adaptieren. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, meine Arbeit zu veröffentlichen, wäre eine Erweiterung der Serie der erste Schritt.

Also ich hätte auf jeden Fall sehr gerne eine Version für München. Vielen Dank für das Interview und schönen Gruß nach Mainz!

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