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Name: Claudia Wieser
Titel der Arbeit: PROMPT. Magazin für Relevanz und Einsicht
Hochschule:
FH Würzburg
Jahr: 2010
Betreuender Professor: Herr Prof. Erich Schöls, Herr Prof. Gerhard Schweppenhäuse
Website: http://vimeo.com/13409962

Wer bist du und was machst du gerade?

Ich bin die Claudi und ich habe im Juli mein Studium Kommunikationsdesign abgeschlossen. Seit Oktober wird mein Briefkasten in Berlin gefüttert. Zu Beginn habe ich mich auf Jobsuche begeben. Aber es ist schwierig wirklich spannende Stellen zu finden, die zu einem passen. Der Gedanke mich selbständig zu machen war zunächst etwas befremdlich, aber ich bin gerade dabei das konkret in die Hand zu nehmen. Wer Ziele und Werte hat sollte nicht so schnell aufgeben und kämpfen.

Um was geht es in deiner Arbeit?

Knochen werden porös, das Sehen und Hören schwieriger, das Gedächtnis schlechter, Erinnerungen verblassen, so ist es schon immer gewesen. Wir werden älter. Auch du bist keine Ausnahme. Wenn die Menschheit einen gemeinsamen Nenner hat, dann doch gewiss denjenigen der Endlichkeit. In meiner Arbeit geht es um das Thema Altern. Es geht um Ängste die damit verbunden sind aber auch genauso um Träume und Ziele. Es geht um gesellschaftliche Probleme, um Pflege und Pflegeethik ebenso wie um den Wahn der Neo-Alten. Dabei ist das Älter werden doch der natürlichste Vorgang im Verlauf eines Lebens.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Gestaltungsgrundlagen beziehen sich auf barrierefreie Gestaltung. Ein für junge Menschen gestaltetes und für alte bzw. körperlich eingeschränkte Menschen zugängliches Magazin. Niemand soll von vornherein ausgeklammert werden. Nicht alle Menschen können Typografie oder Bilder gleich gut erkennen. Deshalb wählte ich eine Typo mit sehr guter Lesbarkeit, Schriftgröße 12pt!!!, linksbündigen Flattersatz, sehr kontrastreiches Bildmaterial und Farben mit hohen Helligkeitskontrast, Linien erst ab einer gewissen Strichstärke, Format DIN A4, Papier mit einer schönen Griffigkeit, intuitive Paginierung und breitere Kapitelseiten die als Register fungieren. All dies basiert auf meinen Recherchen zur barrierefreien Gestaltung.

Warum hast du dich gerade mit diesem Thema beschäftigt und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Klar, weiß doch jeder, respektiere die Alten! Aber sind wir doch mal ehrlich, wie äußerst sich denn unser Respekt? Es reicht vielleicht nicht aus nur böse Blicke zurückzuhalten, wenn die Oma an der Kasse vor einem eine gefühlte Stunde braucht um ihre spärlichen Einkäufe zu verstauen. Aber was sollen wir denn tun?
Wenn Menschen mein Magazin lesen, sie sich vielleicht teils berührt fühlen, teils schmunzeln, teils auf den Boden kommen (müssen) um unterm Strich das eigene Leben noch einmal neu schätzen zu lernen. Wenn Menschen auf ihr Umfeld, und wenn es nur im ganz Kleinen ist, anders zugehen, wenn sie ein anderes Gefühl gegenüber älteren Menschen oder Pflegepersonal haben, dann habe ich alles richtig gemacht.

Welchen Stellenwert hat aus deiner Sicht ein Designer? Welchen Bezug zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung siehst du dabei?

Als Designer haben wir die Möglichkeit wegweisend einzugreifen und mitzuwirken. Ich denke es ist ganz arg wichtig, dass wir Designer uns erstmal selber ernst nehmen und die Verantwortung übernehmen, die wir haben sollten. Mir geht es nicht darum mit dem Zeigefinger auf fast jedermann zu zeigen und oberschulratsmäßig ethische Prinzipien zu kanzeln. Es geht viel mehr darum, einfach auf gleicher Augenhöhe wichtige Themen anzusprechen. Zu zeigen was los ist, was abgeht, dass wir mittendrin stecken und auch nicht abhauen können. Ein Wachrütteln, den Blick verändern und Themen pflanzen. Und auch wenn es sich noch so naiv anhört, aber dadurch die Welt ein Stückerl verbessern.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit / soziale Verantwortung in deinem Leben?

Nein ich bin kein Held. Ich trenne zwar meinen Müll, kaufe gerne regionale Produkte und habe Ökostrom. Ich habe mein Konto sogar bei einer ethischen Bank und kaufe auch keine Klamotten aus Bangladesch. Aber dafür will ich lieber gar nicht wissen was ich alles falsch mache. Im Rahmen meiner bewussten Entscheidungen möchte ich mich aber „gut“ verhalten. Manche meiner Mitmenschen mag ich nicht, andere dafür umso mehr. Solche und solche Leute wird es immer geben im Leben, aber ich will fair sein. Ich will bewusst sehen wo ich Verantwortung zu übernehmen habe und dann handeln. Und wenn es „nur“ ein Lächeln für die Oma vor mir an der Kasse ist.

Wie geht’s weiter? Gibt es schon neue Projekte?

Wie zu Beginn schon kurz geschrieben bin ich gerade dabei meine Selbständigkeit in die Hand zu nehmen. Geschäftsplan schreiben, Finanzierung, Räumlichkeiten mieten etc. Das sind gerade die Dinge mit denen ich mich beschäftige. Aber ich bin auch schon daran meine ersten eigenen Projekte im Bereich CSR und Nachhaltigkeit zu planen. Alles sehr spannend. Es kribbelt und ich hab Bock darauf.

Vielen Dank für das Interview. Das Thema hat meiner Meinung auch für Gestalter eine hohe Relevanz und wird in Zukunft, aufgrund des demographischen Wandels, immer wichtiger werden – obwohl es auf den ersten Blick „unsexy“ ist. Trotz der barrierefreien Gestaltung (die ich bisher nur aus dem Webdesign kannte) wirkt das Magazin alles andere als beschränkt oder altbacken. Ich hoffe, dass man PROMPT. auch bald kaufen kann und es Teil unseres SHOWCASE wird. Viel Erfolg für deine Selbstständigkeit.

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