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Name: Thomas Neugebauer
Titel der Arbeit: „Der Widerspruch in unseren Köpfen“
Hochschule:
Bauhaus-Universität Weimar
Jahr:
2007
Betreuender Professor:
Götz Greiner
eMail: info@hallo31.de
Website: www.hallo31.de

Wer bist du und was machst du gerade?

Ich bin Thomas Neugebauer, studiere visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität
in Weimar und bin im Hauptstudium. Ursprünglich komme ich aus Dresden wo ich
auch lebe.

Um was geht es in deiner Arbeit?

Ein Großteil der Bevölkerung ist vom Umweltschutz nicht abgeneigt. Allerdings darf dieses
Engagement sie nichts zusätzlich kosten oder ihre Individualität einschränken. Die
Maßnahmen die zum Umweltschutz beitragen, haben in solchen Fällen meist einen
niederschwelligen Charakter. Es hinterlässt bei vielen Menschen ein gutes Gefühl wenn
sie im Haushalt recyceln, beim Zähne putzen das Wasser nicht laufen lassen oder ihr
Auto in der Waschstraße waschen. Vom eigenen Aktionismus geblendet, übersehen
viele, dass die Zahnbürste elektrisch betrieben wird, das Auto jeden Sonntag einige Kilometer
zur Waschstraße fährt und das Recycling im Haushalt aufgrund des hohen Verpackungsaufkommens
eher eine lästige Nebenbeschäftigung ist.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Als der Kurs 2007 an meiner Universität angeboten wurde, war der Klimawandel in aller
Munde, Al Gore war einmal um die Welt gereist für seinen Film „An Inconvenient Truth“
und die ersten Greenwashing-Kampagnen der Energieerzeuger fanden sich als Beilage
in den konservativen Zeitungen und Zeitschriften. Es war eine Zeit in der die Tatsachen
über den Klimawandel visuell schwer greifbar waren um die breite Masse für mehr Engagement
und Umweltschutz zu gewinnen. Die Photographien zeigen Situationen die
nicht weit weg vom alltäglichen Leben sind und so beim Betrachter eine Selbstidentifikation
erzeugen sollen. Die kleinbürgerliche Hilflosigkeit in Bezug auf den Klimawandel
soll sich in niederschwelliges Engagement für den Umweltschutz ändern.

Warum hast du dich gerade mit diesem Thema beschäftigt und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Ich wollte objektiv unser Engagement zum Umweltschutz hinterfragen und zum weiterdenken
anregen. Die Energie-Sparlampe ist dabei ein sehr gutes Beispiel wie das funktionieren
sollte. Nicht nur das man seine 100W Birnen tauscht sondern sich auch anfängt
zu fragen wo der Strom herkommt, der die neue Lampe zum leuchten bringt und
ob die ganzen elektronischen Bauteile in der Sparbirne nicht doch giftiger in der Produktion
und viel schlechter zu recyceln sind als eine konventionelle 40W-Glühbirne.

Welchen Stellenwert hat aus deiner Sicht ein Designer? Welchen Bezug zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung siehst du dabei?

Ich glaube, dass wir als Gestalter eine sehr wichtige Rolle bei der Vermittlung solcher
Inhalte eingenommen haben. Informationen klar zu kommunizieren wird uns gewissermaßen
beim Beginn unseres Studiums schon ans Herz gelegt. Zudem hat man durch
zeitgemäße Gestaltung von Kampagnen, Produkten oder Identitäten das Image der
Umweltschutzbewegung unglaublich positiv beeinflusst

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit / soziale Verantwortung in deinem Leben?

Eine sehr große! Ich habe vor zwei Jahren einen kleinen Menschen an meine Seite bekommen,
der mir sehr viel Freude macht. Es ist mir unglaublich wichtig für diesen etwas
zu bewahren wofür er noch nicht einstehen kann.

Wie geht’s weiter? Gibt es schon neue Projekte?

Das Projekt liegt schon eine Weile zurück. Ich würde mich gern dem Thema nochmals
nähern und sehen was sich in der Zeit verändert hat, was vielleicht besser geworden ist
oder wo neue Umweltschutz-Absurditäten aufgetaucht sind. Ein Projekte mit sozialer
Verantwortung habe ich erst unlängst beendet. Dabei ging es um ein Redesign eines
Magazins bei dem ich mich der Obdachlosenzeitung meiner Stadt gewidmet habe.

Ich stand kürzlich auch fassungslos vor einem solchen TV-Entsorgungscontainer und glaube auch, dass wir noch nicht so umweltbewusst sind, wie wir uns manchmal fühlen. Der Container ist ein schönes Beispiel: die alte Glotze schnell aus dem Sichtfeld räumen – die Entsorgungsbetriebe, Hersteller oder sonstwer wird sich schon darum kümmern, dass er der Umwelt nicht zur Last fällt. Vielen Dank für das Interview.

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